Collage des Hauses.
© LEA Hessen
Passivhaus im Bestand

Viergeschossiges Mehrfamilienhaus in Gießen

Das Gebäude der Wohnbau Gießen GmbH verursacht nach der Modernisierung geringe Nebenkosten für die Mieter, hat einen hohen Widerstand gegen Witterungseinflüsse und liefert behagliche Wohnverhältnisse.

Das Mehrfamilienhaus mit 12 Wohnungen von 1954 hatte vor der Modernisierung eine sehr schlechte energetische Qualität. Mit der Modernisierung wurde der Wärmeverbrauch von rund 160 kWh/(m²a) auf gemessene rund 18 kWh/(m²a) gesenkt. Entsprechend wird eine Kosteneinsparung für Heizwärme von ca. 90 % erzielt.

Baujahr: 1954, beheizte Wohnfläche: 628 m²

Hessische Förderung: rund 67.500€

Ort: Gießen

Jahr der Moderniserung: 2014-2015

Die energetische Modernisierung

Durch die Anwendung passivhaustauglicher Bauelemente wurde der Heizwärmeverbrauch signifikant gesenkt. Die Verbrauchserfassung zeigt für die Heizperioden 2016/2017 bis 2018/2019 sehr niedrige gemessene Werte:

  • Gesamter Heizwärmeverbrauch: rund 11.000 kWh pro Jahr
  • Spezifischer Heizwärmeverbrauch: rund 18 kWh/(m²a)

Die hocheffiziente Modernisierung wurde erreicht durch

  • einen sehr guten Wärmeschutz aller wärmeübertragenden Bauteile (Gebäudehülle),

Bauteil

Wärmedämmung

Außenwand

Polystyrol (28 cm)

Außenwand (Brandriegel)

Mineralfaser (28 cm)

Dach

Ausblasen des Dachraumes mit
Zellulosefaser (Æ 75 cm)

Kellerdecke

Polyurethan (10 cm)

Fenster

Dreifachverglasung
UW-Wert = 0,77 W/(m²K)

  • stark reduzierte Wärmebrücken,
  • eine hohe Luftdichtheit des Gebäudes, die mit einem niedrigen Wert in Höhe von 0,65 Luftwechsel pro Stunde nachgewiesen wurde,
  • den Einsatz wohnungsweiser zentraler Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (Effektiver Wärmebereitstellungsgrad: 76 %).
  • den weiteren Anschluss an die effiziente Fernwärme in Gießen.

Schritt für Schritt

Nach der Planung wurde der Förderantrag beim Land Hessen gestellt. Im Anschluss an die Erteilung des Förderbescheids wurden die Gewerke beauftragt und das Projekt umgesetzt. Mit der Fertigstellung wird der Endenergieverbrauch für die Gebäudebeheizung für mindestens zwei Jahre messtechnisch erfasst.

  • 2013: Beginn der Planung
  • 09/2014: Antrag auf Förderung
  • 10/2014: Bewilligung des vorzeitigen Baubeginns und Baubeginn
  • 04/2015: Förderbescheid
  • 12/2015: Gebäude-Fertigstellung und Beginn der Verbrauchsmessung

Die Förderung

Das Modernisierungsvorhaben wurde vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen über den Förderschwerpunkt „Modernisierung zum Passivhaus im Bestand" mit einer Summe von rund 67.500,00 Euro gefördert. Bei der Förderung fanden nachfolgende heizwärmerelevanten Bauteile und technischen Anlagen Berücksichtigung.

Geförderte Maßnahmen:

  • Baulicher Wärmeschutz (Außenwand, Dach, Kellerdecke, Fenster und Türen)
  • Technische Gebäudeausrüstung (wohnungsweise Lüftungsanlagen, Lüftungsanlage im Treppenhaus, Lüftungsanlagen zur Entfeuchtung des unbeheizten Kellers)
  • Sonstige Mehrausgaben (Luftdichtheitstest, Messeinrichtungen, Planungsmehrausgaben)

Die Modernisierung im Bild

Vergleich Außenwand Nord vorher/nachher.
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Außenwand Nord

Die ehemaligen in die Außenwand einbindenden Balkonplatten wurden abgeschnitten und durch freistehende Balkontürme mit wenigen Befestigungspunkten am Gebäude ersetzt. Dadurch werden Wärmeverluste über Wärmebrücken vermieden.

Vergleich Außenwand Süd vorher/nachher.
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Lichtkuppel im Treppenhaus

Belichtung des Treppenhauses

Zur Belichtung des Treppenhauses dient u.a. eine passivhaustaugliche Lichtkuppel, die zudem als Dachausstieg genutzt wird.

Dämmung der Fensterbank
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Dämmung unter der Fensterbank

Die Fensterbank ist für einen optimalen Regenwasserabfluss mit einer hohen Neigung ausgeführt. Unterhalb der Fensterbank wurde die Dämmung entsprechend als Keil ausgeführt und an die Fensterbank angestoßen verbaut.

Lüftungsanlage vorher/nachher.
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Wohnungsweise Lüftungsanlagen

Das zentralgerät der wohnungsweisen Lüftungsanlagen ist jeweils abgekoffert in der Küche untergebracht. Die Verteilung der Luft erfolgt in der abgehängten Decke (auf dem rechten Bild noch offen) in den Wohnungsfluren. Die frische Zuluft wird über den Türen der Zulufträume eingebracht und die verbrauchte Abluft aus den Ablufträumen abgesaugt.

Gebäudeeigentümerin

Wohnbau Gießen GmbH

Projektleitung: Frau Weeke
Ludwigstraße 4
35390 Gießen

0641-9770

Energieberatung

DEN GmbH & Co. Kg

Winchesterstraße 2
35394 Gießen
www.ekc-hessen.de

LEA LandesEnergieAgentur Hessen GmbH

Mainzer Straße 118
65189 Wiesbaden

0611-950178400