Impressionen eines ausgebauten Dachgeschoss in einem Haus, das nach Passivhaus-Standard modernisiert wird.
© Peter Hinz

Passivhaus im Bestand

Wie Sie ein älteres Haus auf Passivhaus-Niveau modernisieren

Auch ältere Häuser können so modernisiert werden, dass sie energetisch mit vielen Neubauten mithalten. Der Standard „Passivhaus im Bestand“ zeigt, wie effizient ein Gebäude werden kann, wenn es hervorragend gedämmt ist, moderne Fenster besitzt und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung nutzt. Ein sommerlicher Wärmeschutz sorgt zudem dafür, dass das Gebäude auch in heißen Monaten angenehm bleibt.

In Hessen gibt es rund 1,43 Millionen Wohngebäude mit etwa 3,19 Millionen Wohnungen. Rund zwei Drittel davon wurden vor 1978, also vor der Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet und knapp ein Fünftel von 1979 bis 2000, also vor dem Erlass der ersten Energieeinsparverordnung im Jahr 2002. Nur etwas mehr als ein Zehntel der Bestandsgebäude sind nach der Jahrtausendwende fertiggestellt worden.
(Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt, Stand 31.12.2025).

Die gute Nachricht: Auch ältere Häuser lassen sich mit moderner Technik so sanieren, dass sie deutlich weniger Energie benötigen und den Wohnkomfort spürbar erhöhen.

Das Land Hessen unterstützt solche vorbildlichen Projekte bereits seit 2008. Eine Auswertung der gemessenen Verbrauchsdaten zeigt, dass mit der Modernisierung zum Passivhaus im Bestand eine sehr hohe Energieeinsparung erreicht wird – oft deutlich mehr als bei einer üblichen Modernisierung nach Gebäudeenergiegesetz. Damit fördert das Land Hessen eine besonders effiziente und zukunftsfähige Modernisierung.

So wird aus einem Altbau ein modernes, energieeffizientes Zuhause, das langfristig Kosten spart, die Umwelt schont und den Wohnkomfort deutlich steigert.

Ein nach Passivhaus-Standard modernisiertes Einfamilienhaus.
© Peter Hinz

Was bedeutet „Passivhaus“?


Ein „Passivhaus“ ist ein Gebäude, das dank einer besonders guten Dämmung, hochwertiger Fenster und einer effizienten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sehr wenig Energie benötigt. Statt auf klassische Heizsysteme mit Öl oder Gas setzt es auf „passive“ Wärmequellen wie Sonnenenergie und die Abwärme von Menschen und Geräten.

Das Konzept wurde maßgeblich vom Passivhaus Institut in Darmstadt entwickelt und gilt weltweit als wegweisend für energieeffizientes Bauen. Bis heute ist das Passivhaus eine echte hessische Erfolgsgeschichte – und zeigt, wie moderne Technik dazu beitragen kann, Gebäude nachhaltig und komfortabel zu gestalten.

Hessen fördert Altbausanierungen

Gefördert werden vom Land Hessen mit der Fördermaßnahme „Passivhaus im Bestand“ Modernisierungen von Gebäuden, durch die der jährliche Heizwärmebedarf deutlich – typischerweise auf maximal 25 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter Energiebezugsfläche – reduziert wird. Grundlage dafür ist ein energetischer Nachweis nach dem Passivhaus‑Projektierungspaket (PHPP) oder nach DIN V 18599‑2:2018-09. Alternativ kann die Modernisierung auch über die Einhaltung bestimmter Wärmedurchgangskoeffizienten für alle Bauteile nachgewiesen werden. Bei der Sanierung sind hochwertige, passivhaustaugliche Komponenten und Bauweisen einzusetzen, die eine besonders gute Dämmung, moderne Fenster und eine effiziente Lüftungsanlage mit mindestens 80-prozentiger Rückgewinnung der Wärme umfassen.

Die Förderung des Landes Hessen unterstützt diese Maßnahmen mit einem Zuschuss in Höhe von bis zu 30 Prozent der förderfähigen Ausgaben (siehe Richtlinie RE-Invest, Teil II Nr. 5). Bei gleichzeitiger Nutzung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) kann ein Zuschuss in Höhe von bis zu 60 Prozent erreicht werden – das Land Hessen trägt in diesem Fall einen Zuschuss in Höhe von bis zu 20 Prozent zur Förderung bei.

So funktioniert die Antragstellung

Bevor ein Förderantrag gestellt wird, wird zunächst eine Projektskizze (vgl. Musterprojektskizze) erstellt. Sie enthält die wichtigsten Eckpunkte des geplanten Vorhabens, zum Beispiel Angaben zum Gebäude, zur geplanten Modernisierung und zum zeitlichen Rahmen.

Die Projektskizze wird bei der Bewilligungsstelle eingereicht und dort fachlich geprüft:

Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank)
Kaiserleistraße 29-35
63067 Offenbach
Tel.: 069-9132-03
www.wibank.de

Sie kann von der WIBank zur technischen Bewertung an die LEA LandesEnergieAgentur Hessen GmbH weitergeleitet werden. Nach einer positiven Rückmeldung kann der eigentliche Förderantrag bei der WIBank gestellt werden.

Tipp: Darüber hinaus kann auch jederzeit vorab eine freiwillige Beratung in Anspruch genommen werden. Anfragen zur Beratung sind an die LEA LandesEnergieAgentur Hessen GmbH zu stellen:

LEA LandesEnergieAgentur Hessen GmbH
Ansprechpartner: Christian Kuhlmann
Mainzer Straße 118
65189 Wiesbaden
Tel.: 0611 95017 8400
E-Mail: fachtechnischedienstleistungen@lea-hessen.de
www.lea-hessen.de

Weitere Informationen und Unterlagen

Am Ende der Seite finden Sie alle wichtigen Dokumente zur Förderung: die Richtlinie RE-Invest, Teil II Nr. 5, Beispiele aus der Praxis, eine Muster‑Projektskizze, einen Muster‑Förderantrag sowie den Kostenplan. Mit dem Kostenplan können Sie die möglichen Zuschüsse des Landes Hessen einfach und übersichtlich berechnen. Dieser ist dem Antrag beizufügen.

  • Projektskizze einreichen
  • Fachtechnische Begleitung
  • Förderantrag

Fragen und Antworten

Best Practice Beispiele aus Hessen

In Hessen gibt es eine Vielzahl von energetischen Modernisierungen, die von Bund und Land gefördert wurden. Wir stellen Ihnen zwei Beispiele vor.  

Modernisiertes Einfamilienhaus nach Passivhaus-Standard.
© Peter Hinz

Dieses Einfamilienhaus wurde aufwendig saniert. „Man muss nicht neu bauen, um möglichst viel Energie zu sparen“, so Architekt Peter Hinz.  Er nennt weitere Vorteile des Passivhaus-Standards: „Sie bekommen ein komplett neues Wohngefühl, mehr Behaglichkeit, wohnen gesünder und die Wertbeständigkeit der Immobilie steigt.“

Modernes Dachgeschoss nach Passivhaus-Standard saniert.
© Peter Hinz

Oft gehen bei der Sanierung Alt und Neu eine reizvolle Symbiose ein, wie dieses Bild aus dem gleichen Projekt zeigt: „Wir haben die Balken freigelegt, um den Charme des Alten zu erhalten“, so Peter Hinz. 

Offenes Fachwerk in einem alten Haus vor der Modernisierung.
© Peter Hinz

Fachwerk mit Geschichte: 235 Jahre alt ist dieses alte Gebäude in Rimbach – ein weiteres Beispiel aus Südhessen. Saniert wurde es nie. Entsprechend groß war die Herausforderung, es auf Passivhaus-Standard zu modernisieren. 

Modernisiertes Fachwerhaus, Innenansicht Raum unter dem Dach mit Parkettboden.
© Peter Hinz

Fünf Jahre dauerte es. Das alte Fachwerk ist innen noch zu sehen. Von außen lässt sich kaum erahnen, dass es energetisch auf höchstem Niveau saniert wurde. Für Architekt Peter Hinz und seine Kollegen ist das ein Beweis dafür, dass der Passivhaus-Standard sich auf alle Gebäudetypen anwenden lässt. „Wir haben bereits Häuser, Gebäude, Firmen und Produktionshallen saniert. Für uns ist es kaum erklärlich, warum das Passivhaus nicht schon seit 20 Jahren Standard ist.“ 

Mediathek: Passivhäuser in der Praxis

Das Passivhaus Institut stellte anlässlich des Jubiläums des ersten Passivhauses in einer kleinen Filmreihe Aspekte ihres Baukonzepts vor.  

Weitere Infos finden Sie in der Passivhaus-Wissensdatenbank und Passivhaus-Beispiele weltweit in dieser Datenbank. Eine sehr ausführliche Abhandlung über die Altbausanierung mit Passivhauskomponenten finden Sie als PDF auf der Seite von hessenenergie. Ebenso ein Best-Practice-Beispiel eine Altbausanierung eines Zweifamilienhauses in Lorsch.  

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