Impressionen eines ausgebauten Dachgeschoss in einem Haus, das nach Passivhaus-Standard modernisiert wird.
© Peter Hinz
Passivhaus im Bestand

Wie Sie ein älteres Haus auf Passivhaus-Niveau modernisieren

Auch ältere Immobilien aus den 50er bis 80er Jahren lassen sich so modernisieren, dass sie einen ähnlichen energetischen Standard erreichen, wie viele Neubauten: den Passivhausstandard.

In Hessen gibt es 1,36 Millionen Wohngebäude mit etwa 2,83 Millionen Wohnung. Etwas mehr als zwei Drittel davon wurden vor 1978, also vor der Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet und knapp ein weiteres Viertel von 1979 bis 2000, also vor dem Erlass der ersten Energieeinsparverordnung im Jahr 2002. Nur etwa sechs Prozent der Bestandsgebäude sind nach der Jahrtausendwende fertiggestellt worden. Die gute Nachricht: Mit der heute zur Verfügung stehenden Technik können Altbauten so modernisiert werden, dass sie genauso viel Energie verbrauchen, wie moderne Immobilien. Ein besonders hoher Standard ist das Passivhaus.

Unter Passivhaus versteht man ein Baukonzept, das darauf abzielt, dass Immobilien durch besonders gute Dämmung, Lüftungs- und Heiztechnik sehr wenig Energie verbraucht. Statt auf fossile Energieträger wie Öl oder Gas setzt man auf "passive" Energiequellen wie Sonne und Abwärme. Das Konzept wurde in Deutschland maßgeblich vom Passivhausinstitut Darmstadt entwickelt und gilt als wegweisend weltweit. Das Passivhaus ist also eine hessische Erfolgsgeschichte.

Hessen fördert Altbausanierungen

Passivhäuser sind nicht mehr nur im Neubau möglich, sondern auch bei der energetischen Modernisierung älterer Gebäude kann der Passivhausstandard annähernd erreicht werden. Solche vorbildlichen Projekte fördert das Land Hessen bereits seit 2008. 

Gefördert werden Modernisierungsmaßnahmen in Gebäuden durch die der jährliche Heizwärmebedarf des Gebäudes auf maximal 25 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter reduziert wird. Bei der energetischen Modernisierung sollen passivhaustaugliche Komponenten, Bautechniken und Verfahren zur Anwendung kommen. Die Mehrausgaben gegenüber einer Modernisierung gemäß Energieeinsparverordnung (EnEV) werden mit bis zu 50 Prozent bezuschusst. Eine Auswertung der gemessenen Verbrauchsdaten geförderter Projekte zeigt, dass mit der Modernisierung zum Passivhaus im Bestand eine sehr hohe Energieeinsparung erzielt wird.

So geht es: Vor Antragstellung ist eine Projektskizze beim Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW) einzureichen. Die HessenEnergie GmbH ist mit der fachtechnischen Begleitung der Projekte beauftragt. Nach positiver Rückmeldung zur Projektskizze kann ein Antrag auf Förderung bei der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen gestellt werden. 

Details zur Förderung erhalten Sie im Merkblatt Passivhaus im Bestand sowie Beispiele und weitere Infos am Ende der Seite.  

Projektskizze einreichen

Fachtechnische Begleitung

Förderantrag

Fragen und Antworten

Best Practice Beispiele aus Hessen

In Hessen gibt es eine Vielzahl von energetischen Modernisierungen, die vom Bund und Land gefördert wurden. Wir stellen Ihnen zwei Beispiele vor.  

Passivhaus im Bestand
© Peter Hinz

Dieses Einfamilienhaus wurde aufwendig saniert. "Man muss nicht neu bauen, um möglichst viel Energie zu sparen", so Architekt Peter Hinz.  Er nennt weitere Vorteile des Passivhaus-Standards: "Sie bekommen ein komplett neues Wohngefühl, mehr Behaglichkeit, wohnen gesünder und die Wertbeständigkeit der Immobilie steigt." 

Modernes Dachgeschoss nach Passivhaus-Standard saniert
© Peter Hinz

Oft gehen bei der Sanierung Alt und Neu eine reizvolle Symbiose ein, wie dieses Bild aus dem gleichen Projekt zeigt: "Wir haben die Balken freigelegt, um den Charme des Alten zu erhalten", so Peter Hinz. 

Offenes Fachwerk in einem alten Haus vor der Modernisierung.
© Peter Hinz

Fachwerk mit Geschichte: 235 Jahre alt ist dieses alte Gebäude in Rimbach - ein weiteres Beispiel aus Südhessen. Saniert wurde er nie. Entsprechend groß war die Herausforderung ihn auf Passivhaus-Standard zu modernisieren. 

Ein nach Passivhaus-Standard modernisiertes Fachwerhaus, Innenansicht Raum unter dem Dach.
© Peter Hinz

Fünf Jahre dauerte es. Das alte Fachwerk ist innen noch zu sehen. Von außen lässt sich kaum erahnen, dass es energetisch auf höchstem Niveau saniert wurde. Für Architekt Peter Hinz und seine Kollegen ist das ein Beweis dafür, dass der Passivhaus-Standard sich auf alle Gebäudetypen anwenden lässt. "Wir haben bereits Häuser, Gebäude, Firmen und Produktionshallen saniert. Für uns ist es kaum erklärlich, warum das Passivhaus nicht schon seit 20 Jahren Standard ist."  

Mediathek: Passivhäuser in der Praxis

Das Passivhaus Institut stellte anlässlich des Jubiläums des ersten Passivhauses in einer kleinen Filmreihe Aspekte ihres Baukonzepts vor.  

Weitere Infos finden Sie in der Passivhaus-Wissensdatenbank und Passivhaus-Beispiele weltweit in dieser Datenbank. Eine sehr ausführliche Abhandlung über die Altbausanierung mit Passivhauskomponenten finden Sie als PDF auf der Seite von hessenenergie. Ebenso ein Best-Practice-Beispiel eine Altbausanierung eines Zweifamilienhauses in Lorsch.  

Mehr Informationen

Modernisierung zum Passivhaus im Bestand

Modernisierung zum Passivhaus im Bestand

Erscheinungsdatum

01.08.2017

Themenfeld

BürgerinBürger, Energiesparen, ExpertinExperte, Fachinformation, Modernisierung Sanierung

herunterladen (PDF, 4,49 MIB)

Handbuch Altbaumodernisierung mit Passivhaus-Komponenten

Handbuch Altbaumodernisierung mit Passivhaus-Komponenten

Erscheinungsdatum

01.11.2009

Themenfeld

ExpertinExperte, Modernisierung Sanierung

herunterladen (PDF, 7,91 MIB)

Bericht Passivhaus im Bestand - Verbrauchsauswertung

Bericht Passivhaus im Bestand - Verbrauchsauswertung

Erscheinungsdatum

01.04.2016

Themenfeld

BürgerinBürger, Energiesparen, ExpertinExperte, Fachinformation, Kommune, Modernisierung Sanierung

herunterladen (PDF, 471,04 KIB)