Mehrere Windräder im Gegenlicht.
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Windenergie

Zwei Prozent Hessens sind Windvorranggebiete. Dort entstehen neue Windkraftanlagen.

Windenergie in Hessen

Der meiste Strom in Deutschland stammt aus Windkraft – sie treibt den Siegeszug der erneuerbaren Energien an.

Seit 2019 wird in Deutschland mehr Strom aus erneuerbaren als aus fossilen Energien produziert – und das ist vor allem der Windkraft zu verdanken. Sie ist mit Abstand die wichtigste regenerative Stromquelle hierzulande. An guten Standorten ist Windkraft an Land mittlerweile die kostengünstigste Art der Stromerzeugung. Gleichzeitig verursacht sie die geringsten Umweltkosten.

In Hessen trug die Windenergie 2019 erstmals mehr als die Hälfte zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bei. Die Landesregierung will sie weiter ausbauen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Dafür hat sie unter anderem das Zwei-Prozent-Ziel für den Ausbau von Windenergie beschlossen.

Das Zwei-Prozent-Ziel

Hessen will zwei Prozent der Landesfläche für die Nutzung von Windenergie reservieren. Zu diesem Zweck wurden in den Regionalplänen – nach vorher definierten Kriterien – sogenannte Windvorranggebiete festgelegt. Dort haben Windkraftanlagen zwar Vorrang, müssen aber trotzdem den normalen Genehmigungsprozess durchlaufen. Das bedeutet gleichzeitig, dass auf der restlichen Landesfläche keine Windräder mehr aufgestellt werden dürfen. Anlagen, die dort bereits stehen, genießen Bestandsschutz, können aber nicht durch neue ersetzt (repowert) werden.

Ende 2019 drehten sich 1.122 Windkraftanlagen mit einer Gesamtkapazität von 2.173 Megawatt (MW) in Hessen. Das entsprach 45,6 Prozent der installierten elektrischen Leistung von Erneuerbare-Energien-Anlagen, knapp hinter Photovoltaik mit 46,3 Prozent. Bei der tatsächlichen Grünstromerzeugung lag die Windkraft mit 52 Prozent sogar mit Abstand vorne.

Erholung beim Zubau

Allerdings kamen 2019 nur vier neue Anlagen hinzu – der deutschlandweite Einbruch beim Ausbau der Windenergie zeigte sich auch in Hessen. Er hatte mehrere Gründe: Die Genehmigungsverfahren dauern sehr lange, und viele Windkraftprojekte werden beklagt. Zudem wurde 2017 das Verfahren geändert: Projektiererinnen und Projektierer müssen seitdem an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur teilnehmen, um eine Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu erhalten.

2020 zeigt sich eine klare Erholung: Im ersten Halbjahr wurden 18 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 58 MW in Hessen neu errichtet. Um die Erneuerbaren-Ziele zu erreichen, braucht es jedoch deutlich mehr.

417 Windvorranggebiete

Alle drei hessischen Planungsregionen – Nordhessen, Mittelhessen und Südhessen – haben inzwischen ihre Windvorranggebiete beschlossen. Zusammen sind das 417 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 39.000 Hektar, was 1,85 Prozent der Fläche Hessens entspricht. Südhessen hat außerdem 0,8 Prozent der Fläche als sogenannte Weißflächen festgelegt. Diese sollen in einem weiteren Schritt entweder zu Windvorrang- oder zu Ausschlussflächen bestimmt werden.

Die Windkraftanlagen, die jetzt schon in Hessen in Betrieb sind, stehen nur zum Teil in diesen Windvorranggebieten. Ende 2019 waren es 58 Prozent der Großanlagen. Die Windräder außerhalb der Vorranggebiete werden nach und nach zurückgebaut. Denn nach 20 Jahren läuft die staatliche Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus, davon sind jetzt die ersten Anlagen betroffen. Ein Weiterbetrieb ist dann nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich bzw. wirtschaftlich. Das sogenannte Repowering ist außerhalb der Vorranggebiete ausgeschlossen.

Wind: Wartungsarbeiten Windrad

Repowering

Wenn Windkraftanlagen abgebaut und am selben Standort durch neue ersetzt werden, spricht man von Repowering. Innerhalb der Vorranggebiete kann das sehr attraktiv sein. Denn in der Regel lässt sich dann mit weniger, aber größeren und leistungsstärkeren Windrädern der Ertrag vervielfachen. Die für Windkraft ausgewiesene Fläche wird damit effizienter genutzt. Auch die Anwohner haben Vorteile: Größere Rotoren sind zwar auch höher, drehen optisch aber langsamer, was als angenehmer empfunden wird, und moderne Anlagen laufen meist wesentlich leiser als alte.

Genehmigungsprozesse

Windenergie – LEA Landesenergieagentur Hessen
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Wer ein Windrad von mehr als 50 Metern Gesamthöhe errichten möchte, braucht eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG). Diese schließt neben der Baugenehmigung auch andere Genehmigungen ein, zum Beispiel naturschutzrechtliche oder forstrechtliche. Bei Windparks mit 20 oder mehr Anlagen oder wenn eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist, kommt eine formale Öffentlichkeitsbeteiligung hinzu.

Für kleine Anlagen bis 50 Meter reicht hingegen eine Baugenehmigung. Bis zehn Meter Höhe ist auch diese nicht erforderlich, wenn die Anlage in einem Gewerbe- oder Industriegebiet aufgestellt wird. Hier spricht man von Kleinwindkraftanlagen, die vor allem für die Eigenstromnutzung errichtet werden.

Eine BImSchG-Genehmigung wird nur erteilt, wenn von der Windkraftanlage oder dem Windpark keine unverhältnismäßig schädlichen Umwelteinwirkungen ausgehen und das Projekt auch sonst keine öffentlich-rechtlichen Vorschriften verletzt. Hindernisse für Windenergieprojekte können unter anderem im Artenschutz und im Denkmalschutz liegen, es gibt Grenzwerte für Lärm und Schattenwurf und Konfliktfelder z.B. mit der Flugsicherung.

Ausschreibungen

Naturlandschaft mit Feldern und Wald, im Vordergrund ein Dorf, im Hintergrund mehrere Windräder.
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Die BImSchG-Genehmigung ist Voraussetzung, um an einem Ausschreibungsverfahren der Bundesnetzagentur teilnehmen zu können. Nur Windkraftprojekte, die dort einen Zuschlag erhalten, bekommen eine EEG-Vergütung für den produzierten Strom. Dieses Verfahren wurde 2017 eingeführt, um den Betrieb der Windenergie auf eine marktwirtschaftliche Grundlage zu stellen. Bewerberinnen und Bewerber geben die benötigte EEG-Vergütung für ihr geplantes Projekt an. Die Projekte mit den niedrigsten Vergütungssätzen erhalten den Zuschlag.

Hessische Windenergieprojekte haben sich an 13 der 16 Ausschreibungsrunden im Zeitraum von Mai 2017 bis Juni 2020 beteiligt. Während 2017 die Zahl der Bewerbungen sehr hoch war und viele Projekte nicht zum Zuge kamen, wurde seit 2018 jedes hessische Projekt bezuschlagt.

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