Windenergie – LEA Landesenergieagentur Hessen
© istock / jotily
Windenergie

Zwei Prozent Hessens sind Windvorranggebiete. Dort entstehen neue Windkraftanlagen.

Windenergie in Hessen

2019 wurde in Deutschland erstmals mehr Strom aus erneuerbaren als aus fossilen Energien produziert – vor allem dank der Windkraft als bedeutendster regenerativer Stromquelle. Auch in Hessen ist die Windenergie inzwischen die Nummer eins: 2019 trug sie erstmals mehr als die Hälfte zur Grünstromerzeugung in Hessen bei.

Ziel der Landesregierung ist es, die Windkraft weiter auszubauen, um die deutschen und hessischen Klimaschutzziele zu erreichen. Bis Mitte des Jahrhunderts soll der gesamte Strom aus erneuerbaren Quellen und der größte Teil aus Windkraftwerken kommen. Dabei ist wichtig, dass der Ausbau gesteuert und nach klar geregelten Genehmigungsverfahren stattfindet.

Technik

Aus Wind entsteht Strom, indem der Wind die Rotorblätter eines Windrads in Bewegung versetzt und der Generator in der Anlage – ähnlich wie ein Fahrraddynamo – die Rotationsenergie in elektrische Energie umwandelt. Es gibt getriebelose Anlagen, bei denen der Generator direkt am Rotor sitzt, und Anlagen, bei denen sich zwischen Rotor und Generator ein Getriebe befindet. Der Generator kann dann deutlich kleiner sein und dreht sich um ein Vielfaches schneller als der Rotor. Je höher das Windrad ist, desto mehr Strom kann es erzeugen, denn weiter oben weht der Wind gleichmäßiger und stärker als in Bodennähe. Auch auf die Länge der Rotorblätter kommt es an: Eine Verdopplung der Flügellänge steigert den Ertrag um das Vierfache.

Im Zuge der technologischen Entwicklung werden die Anlagen immer größer, leistungsfähiger und effizienter. Es werden also weniger neue Windräder als früher benötigt, um die gleiche Menge Strom zu erzeugen. Aktuell werden an Land Anlagen mit einer Kapazität von vier bis fünf Megawatt (MW) in Betrieb genommen, offshore, also auf See, sind sie noch leistungsstärker. Auch die Wirtschaftlichkeit der Anlagen steigt. Zusammen mit der Photovoltaik ist die Windkraft an Land an guten Standorten mittlerweile die kostengünstigste Art der Stromgewinnung in Deutschland. Gleichzeitig verursacht sie die geringsten Umweltkosten.

Leistung

Windenergie – LEA Landesenergieagentur Hessen
© AdobeStock / Comofoto

Ende 2019 drehten sich 1122 Windkraftanlagen in Hessen, davon 1100 Großanlagen, für die eine Genehmigung nach Bundesimissionsschutzgesetz (BImSchG) nötig ist, und 22 Kleinanlagen. Insgesamt hatten diese Anlagen eine Kapazität von 2173,2 MW. Das entsprach 45,6 Prozent der installierten elektrischen Leistung von Erneuerbare-Energien-Anlagen, knapp hinter Photovoltaik mit 46,3 Prozent. Bei der tatsächlichen grünen Stromerzeugung lag die Windkraft mit 52 Prozent mit Abstand vorne. Dahinter folgten Photovoltaik mit 21 Prozent und Biogas mit 11 Prozent.

Der Windertrag war 2019 besonders gut, zudem wurden 2018 76 Windräder neu aufgestellt. Beides zusammen führte dazu, dass die Stromproduktion aus Wind um 628 Gigawattstunden oder 16,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr stieg. 2019 ist der Zubau jedoch fast zum Erliegen gekommen: Es kamen nur vier Anlagen mit einer Kapazität von insgesamt 13,8 MW hinzu. Der deutschlandweite Negativtrend, der sich auch in Hessen zeigte, hatte mehrere Gründe:

  • Die Genehmigungsverfahren dauern sehr lange, und viele Windkraftprojekte werden beklagt.
  • Zudem wurde 2017 das Verfahren geändert: Projektiererinnen und Projektierer müssen seitdem an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur (BNetzA) teilnehmen, um eine Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu erhalten.

2020 zeigt sich eine klare Erholung: Im ersten Halbjahr 2020 wurden 18 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 58 MW in Hessen neu errichtet. Um die Erneuerbaren-Ziele zu erreichen, braucht es jedoch deutlich mehr.

Windvorranggebiete

Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, zwei Prozent der Fläche Hessens für die Nutzung von Windenergie auszuweisen. Zu diesem Zweck wurden in den Regionalplänen – nach vorher definierten Kriterien – sogenannte Windvorranggebiete festgelegt. Dort haben Windenergieanlagen Vorrang vor anderen Nutzungen. Das bedeutet zugleich, dass auf der restlichen Landesfläche keine Windräder mehr errichtet werden dürfen. Anlagen, die dort bereits stehen, genießen Bestandsschutz, können aber nicht erneuert (repowert) werden.

Alle drei Planungsregionen – Nordhessen, Mittelhessen und Südhessen – haben ihre Windvorranggebiete mittlerweile beschlossen. Zusammen sind das 417 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 39 000 Hektar, was 1,85 Prozent der Fläche Hessens entspricht. Südhessen hat außerdem 0,8 Prozent der Fläche als sogenannte Weißflächen festgelegt. Diese sollen in einem weiteren Schritt entweder zu Windvorrang- oder zu Ausschlussflächen bestimmt werden.

Die Windenergieanlagen, die jetzt schon in Hessen in Betrieb sind, stehen nur zum Teil in diesen Windvorranggebieten. Ende 2019 waren es 58 Prozent der Großanlagen und 68 Prozent der installierten Leistung. Die Windräder außerhalb der Vorranggebiete werden nach und nach verschwinden. Denn nach 20 Jahren läuft die EEG-Förderung aus, davon sind jetzt die ersten Anlagen betroffen. Ob ein Weiterbetrieb wirtschaftlich möglich ist, hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem von der Entwicklung des Börsenstrompreises. Auch die technischen Voraussetzungen müssen gegeben sein. Wo das nicht der Fall ist, ist damit zu rechnen, dass Altanlagen außerhalb der Vorranggebiete abgebaut werden.

Vorzeigeprojekte in Hessen

Energiemonitoringbericht Hessen 2019

Der Fortschritt der Erneuerbaren Energien in Hessen wird jedes Jahr im Energiemonitoringbericht dokumentiert, den Sie hier herunterladen können

Energiewende in Hessen - Monitoringbericht 2019

Energiewende in Hessen - Monitoringbericht 2019

Erscheinungsdatum

17.12.2019

herunterladen (PDF, 1,05 MIB)

Die Windenergieanlagen, die jetzt schon in Hessen in Betrieb sind, stehen nur zum Teil in diesen Windvorranggebieten. Ende 2019 waren es 58 Prozent der Großanlagen und 68 Prozent der installierten Leistung. Die Windräder außerhalb der Vorranggebiete werden nach und nach verschwinden. Denn nach 20 Jahren läuft die EEG-Förderung aus, davon sind jetzt die ersten Anlagen betroffen. Ob ein Weiterbetrieb wirtschaftlich möglich ist, hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem von der Entwicklung des Börsenstrompreises. Auch die technischen Voraussetzungen müssen gegeben sein. Wo das nicht der Fall ist, ist damit zu rechnen, dass Altanlagen außerhalb der Vorranggebiete abgebaut werden.

Repowering

Windenergie – LEA Landesenergieagentur Hessen
© picturealliance / Frank Rumpenhorst

Für Altanlagen innerhalb der Vorranggebiete stellt das Repowering hingegen eine attraktive Möglichkeit dar, wenn es planerisch möglich ist. In der Regel kann dann mit weniger, aber größeren und leistungsstärkeren Windrädern der Ertrag vervielfacht werden. Die für Windkraft ausgewiesene Fläche wird damit effizienter genutzt. Auch die Anwohner haben Vorteile: Die Rotoren drehen optisch langsamer, und die Lärmbelastung kann sinken, da moderne Anlagen meist wesentlich leiser laufen als alte.

Genehmigungsprozesse und Ausschreibungen

Windenergie – LEA Landesenergieagentur Hessen
© AdobeStock / Birgit Reitz-Hofmann

Wer ein Windrad von mehr als 50 Metern Gesamthöhe errichten möchte, braucht eine Genehmigung nach BImSchG. Diese schließt neben der Baugenehmigung auch andere Genehmigungen ein, zum Beispiel naturschutzrechtliche oder forstrechtliche. Bei Windparks mit 20 oder mehr Anlagen oder wenn eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist, kommt eine formale Öffentlichkeitsbeteiligung hinzu. Für kleine Anlagen bis 50 Meter reicht hingegen eine Baugenehmigung. Bis zehn Meter Höhe ist auch diese nicht erforderlich, wenn die Anlage in einem Gewerbe- oder Industriegebiet aufgestellt wird.

Eine BImSchG-Genehmigung wird nur erteilt, wenn die Genehmigungsbehörde zu dem Schluss kommt, dass von der Windkraftanlage oder dem Windpark keine unverhältnismäßig schädlichen Umwelteinwirkungen ausgehen können und das Projekt auch sonst keine öffentlich-rechtlichen Vorschriften verletzt. Hindernisse für Windenergieprojekte können unter anderem im Artenschutz und im Denkmalschutz liegen, es kann Probleme mit Lärm, Schattenwurf oder Eiswurf oder mit der Flugsicherung geben.

Bürgerforum Energiewende Hessen

Das Land Hessen unterstützt seine Kommunen beim Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern rund um lokale Planungen zur Nutzung erneuerbarer Energien sowie zu kommunalen Energiekonzepten. Das Bürgerforum stärkt Kommunen dabei, mit den Bürgerinnen und Bürgern die Energiewende zu gestalten und gemeinsam nach konkreten Lösungen zu suchen. Dazu bietet es Diskussionsveranstaltungen, Mediation, Konfliktberatung und Faktenklärungen. Das Bürgerforum ist ein Angebot der LandesEnergieAgentur Hessen.   

Bürgerforum

Um eine EEG-Förderung für den produzierten Strom zu erhalten, muss das Projekt den Zuschlag in einer Ausschreibung erhalten. Die BImSchG-Genehmigung ist Voraussetzung, um an einem Ausschreibungsverfahren der BNetzA teilnehmen zu können. Das Verfahren wurde 2017 eingeführt, um der finanziellen Förderung von Windenergieanlagen durch den Staat marktwirtschaftliche Prinzipien zugrunde zu legen. Projektiererinnen und Projektierer geben bei der Bewerbung mit geplanten Projekten die benötigte EEG-Vergütung an. Die Projekte, die den niedrigsten EEG-Vergütungssatz angegeben haben, erhalten den Zuschlag.

Hessische Windenergieprojekte haben sich an 13 der 16 Ausschreibungsrunden im Zeitraum von Mai 2017 bis Juni 2020 beteiligt. Während 2017 die Zahl der Bewerbungen sehr hoch war und viele Projekte nicht zum Zuge kamen, wurde seit 2018 jedes hessische Projekt bezuschlagt.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Photovoltaik und Pferd
© LEA John

Solarenergie in Hessen

Es wird immer mehr Sonne "geerntet" - vor allem Bürger setzen Photovoltaikmodule auf ihre Dächer und damit auf erneuerbare Energien

Solarenergie
Biogasanlage Osthessen
© LEA John

Biomasse in Hessen

Sonne- und windunabhängig produziert Biomasse XY Prozent des hessischen Energiebedarfs und ist so ein wichtiger Bestandteil des Energiemix.

Wasserkraft Griesheim
© Mainova

Wasserkraft in Hessen

Wasserkraftwerke entlang von Main, Nidda, Schwalm, Fulda, Ohm, Lollar oder Lahn versorgen Industrie und Haushalte mit "blauer Energie".