Personen vor einem Computer mit einem Flächenplan
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Potenziale erkennen.Geeignete Standorte vorbereiten.

Sie müssen keine Fachplanerin oder kein Fachplaner sein, um mitzuentscheiden. Aber ein paar technische Grundlagen helfen, Projektierer auf Augenhöhe zu treffen und die richtigen Fragen zu stellen.

Nachdem die rechtlichen Grundlagen geklärt sind, geht es im nächsten Schritt darum, geeignete Flächen für Windenergie oder Freiflächen-Photovoltaik zu identifizieren. Ziel ist zunächst keine endgültige Standortentscheidung, sondern eine belastbare Potenzialanalyse: Welche Flächen kommen grundsätzlich infrage und welche Rahmenbedingungen sind zu beachten?

Eine systematische Flächenanalyse schafft Transparenz, erleichtert politische Entscheidungen und stärkt die Verhandlungsposition der Kommune gegenüber Projektierenden. Sie bildet die Grundlage für die anschließende kommunale Flächensteuerung. 

Je besser die Kommune ihre eigenen Potenziale kennt, desto selbstbewusster kann sie mit Projektierenden, Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern sowie politischen Gremien verhandeln.

Flächenpotenzialanalyse – vom Suchraum zur Potenzialfläche

Die Identifikation geeigneter Flächen folgt bei Windenergie und Freiflächen-Photovoltaik demselben Grundprinzip. Zwar unterscheiden sich beide Technologien in ihren Anforderungen und ihrem weiteren Planungsweg, die Vorgehensweise bei der Potenzialanalyse ist jedoch identisch.

Beispielhafte Potenzialanalyse Freiflächen-Photovoltaik
Die Abbildung zeigt den Ablauf einer Potenzialanalyse am Beispiel einer Freiflächen-Photovoltaikanlage. Das Grundprinzip – vom Suchraum über Ausschluss- und Restriktionskriterien bis zur Potenzialfläche – ist auch bei der Windenergie vergleichbar. Die fachlichen Bewertungskriterien unterscheiden sich jedoch.

Die folgenden fünf Schritte erläutern dieses Vorgehen im Detail.

Schritt 1: Planungsraum und Ausbauziel festlegen

Zu Beginn wird festgelegt, welcher Suchraum betrachtet werden soll und welche Ziele die Kommune verfolgt. Je nach Ausgangslage können dabei kommunale Klimaschutzziele, Energiebedarfe oder regionale Vorgaben den Rahmen bilden. In der Regel ist das Gemeindegebiet der Ausgangspunkt; je nach Fragestellung können auch angrenzende Flächen oder regionale Zusammenhänge berücksichtigt werden.

Schritt 2: Ausschlusskriterien anwenden

Im nächsten Schritt werden Flächen ausgeschlossen, die aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen für eine Entwicklung nicht infrage kommen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Siedlungsbereiche
  • Naturschutzgebiete
  • Gewässer und Schutzbereiche
  • sicherheitsrelevante Bereiche
  • weitere harte Restriktionen, also Flächen, auf denen eine Entwicklung rechtlich ausgeschlossen ist.

So entsteht eine erste Kulisse grundsätzlich verfügbarer Flächen.

Schritt 3: Restriktionsflächen abwägen

Nicht alle Flächen sind eindeutig geeignet oder ungeeignet. Viele Bereiche sind nicht eindeutig geeignet oder ungeeignet. Sie müssen im Einzelfall abgewogen werden.

Typische Restriktionskriterien sind:

  • Landschaftsschutz
  • Wald
  • hochwertige landwirtschaftliche Böden
  • Landschaftsbild
  • Artenschutz

Diese Flächen werden zunächst gekennzeichnet und im weiteren Verfahren näher geprüft.

Schritt 4: Eignungskriterien bewerten

  • Die verbleibenden Flächen werden anschließend nach ihrer Eignung bewertet. Je nach Technologie spielen unterschiedliche Kriterien eine Rolle:

Windenergie

  • Windhöffigke
  • Nähe zum Netzanschluss
  • ausreichende Flächengröße
  • Erschließbarkeit
  • möglichst geringe Nutzungskonflikte

Freiflächen-Photovoltaik

  • gute Sonneneinstrahlung
  • geeigneter Flächenzuschnitt
  • Nähe zum Netzanschluss
  • privilegierte Standorte entlang von Autobahnen und Schienenwegen
  • Möglichkeiten für Agri-PV oder Konversionsflächen

Schritt 5: Potenzialflächen dokumentieren

Die geeigneten Flächen werden dokumentiert und in Flächensteckbriefen zusammengefasst. Das Ergebnis ist eine fachlich begründete Potenzialkulisse – noch keine endgültige Standortentscheidung. Sie bildet die Grundlage für die weitere kommunale Steuerung und Priorisierung geeigneter Standorte.

Windenergie und Freiflächen-Photovoltaik einordnen

Für kommunale Entscheidungen genügt es, einige grundlegende Orientierungswerte zu kennen.

Windenergie

Moderne Windenergieanlagen erreichen heute Leistungen von etwa 5 bis 7 MW. Je nach Standort erzeugt eine Anlage jährlich rund 15 bis 20 Millionen kWh Strom und kann je nach Stromverbrauch rechnerisch mehrere tausend Haushalte versorgen. Entscheidend für den Ertrag ist vor allem die Windhöffigkeit.

Freiflächen-Photovoltaik

Freiflächen-Photovoltaikanlagen erreichen als Faustregel etwa 1 MWp installierte Leistung je Hektar. Agri-PV ermöglicht dabei eine gleichzeitige landwirtschaftliche Nutzung der Flächen und kann die Flächenkonkurrenz reduzieren.

Diese Kennzahlen helfen dabei, die Größenordnung möglicher Projekte besser einzuordnen.

Merksatz: Eine gute Fläche allein macht noch kein wirtschaftliches Projekt. Entscheidend ist auch, wie der erzeugte Strom genutzt oder vermarktet werden kann.

Die entscheidende Frage: Wohin mit dem Strom?

Folgende Fragen sind dabei besonders wichtig:

  • Gibt es Unternehmen oder kommunale Liegenschaften, die den Strom direkt nutzen können?
  • Ist ein Batteriespeicher sinnvoll?
  • Kann der Strom oder entstehende Wärme in einem Wärmenetz genutzt werden?
  • Welche Möglichkeiten bestehen für einen wirtschaftlichen Netzanschluss?

Diese Aspekte haben häufig einen größeren Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit eines Projekts als kleine Unterschiede beim Stromertrag.

Die richtigen Fragen an Projektierende

Die Kommune muss keine technischen Detailplanungen erstellen. Sie sollte jedoch die richtigen Fragen stellen können.

Eine gute Gesprächsgrundlage bieten beispielsweise folgende Fragen:

  • Warum wurde dieser Standort ausgewählt?
  • Welche Flächen wurden außerdem geprüft?
  • Wie ist der Netzanschluss vorgesehen?
  • Ist ein Speicher Bestandteil des Projekts?
  • Welche Möglichkeiten bestehen für eine lokale Strom- oder Wärmenutzung?
  • Welche Beteiligungsmöglichkeiten gibt es für Kommune, Bürgerinnen und Bürger sowie Grundstückseigentümer?
  • Welche Auswirkungen hat das Projekt auf den kommunalen Haushalt sowie auf die örtliche Infrastruktur (z. B. Straßen oder Netzanbindung)?

Hilfreiche Planungswerkzeuge

Für die Potenzialanalyse stehen verschiedene Informationsquellen und digitale Werkzeuge zur Verfügung:

Sie unterstützen die erste Flächenbewertung und schaffen eine fundierte Datengrundlage für kommunale Entscheidungen.

Der nächste Schritt: Flächen steuern

Die Potenzialanalyse zeigt, welche Flächen grundsätzlich geeignet sind. Im nächsten Schritt entscheidet die Kommune, welche Standorte sie tatsächlich entwickeln möchte und mit welchen Instrumenten sie diese steuert. Dazu gehören unter anderem Kriterienkataloge, kommunales Flächenpooling, Bauleitplanung sowie die Entwicklung eines kommunalen Energiekonzepts.

Windenergie und Freiflächen-PV unterscheiden sich vor allem in den Bewertungskriterien und im weiteren Planungsweg. Die grundlegende Vorgehensweise bei der Flächenidentifikation ist jedoch identisch.

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