Naturlandschaft mit Feldern und Wald, im Vordergrund ein Dorf, im Hintergrund mehrere Windräder.
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Von der ersten Idee zum integrierten SystemDer Weg einer Kommune durch die Energiewende

Noch starten viele Kommunen mit Einzelprojekten – ein Windpark hier, ein Solarfeld da – ohne aber über ihre Ziele nachzudenken. Wer von Anfang an ein Zielbild im Blick hat, spart Zeit, Geld und politischen Aufwand. Diese Zeitachse zeigt den Weg – von der ersten strategischen Überlegung bis zum integrierten Energiesystem.

Das Wichtigste vorab: Sie müssen nicht bei Phase 1 anfangen. Viele Kommunen steigen in Phase 2 oder 3 ein – weil ein Projektierer anklopft oder die Wärmeplanung vorliegt. Schauen Sie wo Sie gerade stehen und lesen Sie von dort weiter.

Auch wenn bei Ihnen schon Fakten geschaffen wurden – ein Einzelvertrag ist bereits unterschrieben, die Wärmeplanung liegt unverbunden neben dem Windpark – ist das kein Grund, die Gesamtstrategie abzuschreiben. Auch nach einem holprigen Start lässt sich in der Regel nachsteuern: Bestehende Verträge lassen sich bei der nächsten Erweiterung oder Repowering-Phase einbinden, getrennt gedachte Strom- und Wärmeprojekte lassen sich im Nachhinein verknüpfen, und auch ohne frühzeitigen Flächenpool gibt es oft noch Verhandlungsspielraum bei neuen Flächen oder Erweiterungen. Wichtig ist, ab jetzt strategisch weiterzudenken – unabhängig davon, wo der Einstieg lag.

Was typischerweise schiefläuft – und wie Sie es besser machen

Zu früh Ja gesagt

Strom und Wärme getrennt gedacht

Zu spät angefangen

Ein Projektierer kommt mit einem fertigen Konzept – und die Kommune nickt ab ohne eigene Ziele definiert zu haben. Ergebnis: maximale Pacht, minimaler Mehrwert.Der Windpark wird gebaut, die Wärmeplanung liegt in der Schublade. Niemand verbindet beides. Ergebnis: verschenkte Wirtschaftlichkeit auf beiden Seiten.Projektiererinnen und Projektierer haben bereits Einzelpachtverträge abgeschlossen bevor die Kommune ein Konzept hatte. Ergebnis: kein Verhandlungsspielraum mehr.

Die sieben Phasen zum kommunalen Energieziel

Aus der Praxis: Kommunen die diesen Weg gehen

Rückansicht des klimagerechten Biobauernhofs der Kommune Niederkaufungen e.V.

Breuna – Vom Windpark zur Vollversorgung (Phase 6/7)

Die Gemeinde Breuna im Landkreis Kassel zeigt, was möglich ist, wenn eine Kommune die Energiewende von Anfang an als Gesamtkonzept denkt. 11 genehmigte Windenergieanlagen, eine Agri-PV-Anlage, ein ortsteilübergreifendes Wärmenetz mit Großwärmepumpe und Direktleitung – und eigene Gemeindewerke als Betreiberin. In Wettesingen, einem Ortsteil von Breuna, werden bereits über 225 Haushalte zu 100 % erneuerbar versorgt.

Was andere Kommunen daraus mitnehmen können: Breuna hat nicht auf den perfekten Zeitpunkt gewartet, sondern frühzeitig eigene Strukturen aufgebaut. Die Gemeindewerke geben der Kommune die Kontrolle über Preise, Einnahmen und Konzept. Das ist der Unterschied zwischen Flächenverpächterin und Gestalterin.

Mehrere Windräder im Gegenlicht.
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Lichtenfels – Ein Flächenpool in einem Wochenende (Phase 2/3)

Bürgermeister Henning Scheele stand vor einer typischen Herausforderung: viele private Eigentümerinnen und Eigentümer, unterschiedliche Interessen, keine gemeinsame Verhandlungsbasis. Seine Lösung: Ein Flächenpool der über 40 private Eigentümerinnen und Eigentümer, HessenForst und die Waldecksche Landesstiftung zusammenbringt – mit einem Poolvertrag, einer Duldungsvereinbarung und einem 75-Prozent-Stimmrecht-Quorum. Die Grundstruktur dafür wurde an einem einzigen Wochenende erarbeitet.

Was andere Kommunen daraus mitnehmen können: Flächenpooling klingt kompliziert, aber mit dem richtigen Rahmen und klaren Spielregeln geht es schneller als gedacht. Der Bürgertarif als Anreiz für die Eigentümerinnen und Eigentümer war dabei ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz.

Luftbild von Marburg mit Großanlage für oberflächennahe Geothermie.
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Marburg – Windstrom sichert Industriestandort (Phase 4/5)

Die Stadtwerke Marburg – zu 100 % kommunal – planen sieben Windenergieanlagen auf den Lahnbergen. Das Besondere: Der Windstrom fließt über Direktleitungen direkt zu großen Abnehmern wie dem Pharmastandort. Günstige, planbare Energiekosten sichern die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe – und damit Arbeitsplätze in der Region. Gleichzeitig erzielen die Stadtwerke über die Direktbelieferung stabilere Erlöse als über die reine Netzeinspeisung.

Was andere Kommunen daraus mitnehmen können: Günstige Energie für Betriebe ist heute ein echter Standortvorteil. Wer Direktleitungen von Anfang an mitplant, schafft ein Geschäftsmodell das für alle Seiten funktioniert – für die Stadtwerke, für die Betriebe und für die Kommune.

Interkommunal noch stärker. Was eine einzelne Gemeinde mit 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern nicht stemmen kann, ist für fünf Gemeinden mit zusammen 12.000 machbar. Mehr Fläche, mehr Verhandlungsmacht, bessere Konditionen – und ein Partner der sich wirklich lohnt.

Charlotte von Waitz, deENet e.V.
„Energieprojekte sind Langstreckenlauf und Teamsport."