Gruppe von Personen unterhält sich im Stehen.
© LEA Hessen / Jana Kay

Kontrolle hat ihren Preis.Zurückhaltung auch.

Jede Kommune muss früh entscheiden, wie aktiv sie ein Energieprojekt mitgestalten will, ob bei Solar, Wind oder Wärme. Es gibt keine „richtige" Rolle, nur die passende: Entscheidend ist, dass die Wahl bewusst getroffen wird und nicht durch Zufall entsteht. Von der reagierenden Genehmigungsbehörde bis zur aktiven Betreiberin – jede Stufe ist legitim, wenn sie zur Kommune passt.

Wer nicht entscheidet, entscheidet trotzdem  nur nicht selbst. Ohne bewusste Rollenwahl übernehmen meist Projektierer oder externe Investoren die Gestaltungshoheit, und die Kommune reagiert nur noch auf das, was andere längst festgelegt haben. Der Unterschied zwischen einer Kommune, die gestaltet, und einer, die verwaltet, liegt selten im Recht, sondern im Zeitpunkt und im Willen, aktiv zu werden.

Fünf Rollen im Überblick

Die folgenden fünf Rollen bilden ein Spektrum. 

Rolle

Was Sie tun

Einfluss

Reagierende

Die Kommune prüft und genehmigt Anfragen externer Vorhabenträgerinnen und Vorhabenträger, ohne selbst aktiv zu steuern.

minimal – die Kommune reagiert auf fremde Konzepte, statt eigene Ziele vorzugeben.

Orientierende

Die Kommune legt eigene Kriterien fest, anhand derer eingehende Projektanfragen bewertet werden – etwa zu Landschaftsbild, Naturschutz oder landwirtschaftlicher Nutzung.eine klare, nachvollziehbare Grundlage für Entscheidungen, aber weiterhin kein aktives Flächenmanagement.

Planende

Die Kommune erstellt eigene Standort- oder Potenzialanalysen, um zu wissen, welche Flächen überhaupt geeignet und genehmigungsfähig sind.fundierte Steuerung und stärkere Verhandlungsposition, bei moderatem zusätzlichem Aufwand.

Steuernde

Die Kommune sichert sich aktiv den Zugriff auf relevante Flächen – durch Flächenankauf, Flächentausch oder die Koordination eines Flächenpools.hohe Kontrolle über die Projektentwicklung, verbunden mit spürbarem Koordinationsaufwand.

Betreibende oder Mitgesellschafterin

Die Kommune entwickelt und betreibt ein Projekt selbst oder beteiligt sich unmittelbar an der Projektgesellschaft.maximale Kontrolle und größte Wertschöpfungsmöglichkeiten, aber auch maximaler Aufwand und wirtschaftliches Risiko.

Hinweis: Mit jeder Stufe steigen Gestaltungsmöglichkeiten und mögliche Wertschöpfung vor Ort, aber auch der eigene Aufwand und das wirtschaftliche Risiko.

Der Hebel unterscheidet sich je nach Technologie

Das Rollen-Spektrum gilt grundsätzlich für alle Erzeugungsarten. 

Technologie

Wichtigster kommunaler Hebel

Solar (Freifläche)In der Regel die Bauleitplanung – Freiflächen-PV ist im Außenbereich meist nicht privilegiert. Ausnahmen bestehen für bestimmte Fälle wie Agri-PV oder Anlagen entlang von Autobahnen und Schienenwegen, die auch ohne Bebauungsplan möglich sind.
WindIn Hessen erfolgt die Flächensteuerung primär über die Teilregionalpläne Energie der Regierungspräsidien (rund 2 % der Landesfläche als Vorranggebiete). Seit 2024 können Kommunen zusätzlich per eigener Bauleitplanung weitere Flächen ausweisen – ein Hebel, der über die reine Zustimmung zu Vorranggebieten hinausgeht.
WärmeDer Hebel liegt im Zusammenspiel aus Wärmeplanung, städtebaulichen Verträgen (Direktleitung, Energiefonds) und der Frage, ob die Kommune Wärmenetz und Wärmeerzeugung selbst betreibt oder über Partner absichert. Mehr dazu auf unserer Themenseite Wärme und Sektorenkopplung.

Viele Kommunen starten klein und wachsen in ihre Rolle hinein

Es gibt keinen vorgeschriebenen Weg. Breuna hat als Gemeinde mit rund 3.400 Einwohnerinnen und Einwohnern eigene Gemeindewerke gegründet. Homberg (Ohm) hat gemeinsam mit der Energiegenossenschaft Vogelsberg die Energie Homberg GmbH ins Leben gerufen. Der richtige Weg ist der, der zu Ihrer Kommune passt – zu Ihren Kapazitäten, Ihrem Kapital und Ihrer politischen Stimmungslage.

Was die gewählte Rolle für andere Bausteine bedeutet

Die Rollenwahl wirkt sich unmittelbar auf weitere strategische Entscheidungen aus:

  • Wer den erzeugten Strom aktiv lokal nutzen will, statt nur einzuspeisen, braucht eine passende Strom-Strategie – siehe Strom strategisch nutzen.
  • Wer Flächen aktiv steuern will, braucht eine klare Flächenstrategie – siehe Flächen als Schlüssel.
  • Wer selbst Projekte betreibt oder sich beteiligt, braucht Personal und verlässliche Partnerinnen und Partner – siehe Personal & Kooperation.
  • Bei Wärmeprojekten entscheidet die Rolle zusätzlich über Direktleitung oder Energiefonds – siehe Wärme und Sektorenkopplung.

Werkzeug & Materialien

Sie wünschen sich persönliche Begleitung?

Wir unterstützen Kommunen bei der strategischen Ausrichtung ihrer Energieprojekte – mit Workshops, Werkstattgesprächen und individueller Beratung, passend zum jeweiligen Stand der Kommune. Kostenfrei und unabhängig.