Zeitachse

Diese Zeitachse zeigt einen möglichen Weg – von der ersten strategischen Überlegung bis zum integrierten Energiesystem.

Das Wichtigste vorab: Sie müssen nicht bei Phase 1 anfangen. Viele Kommunen steigen in Phase 2 oder 3 ein – weil ein Projektierer anklopft oder die Wärmeplanung vorliegt. Schauen Sie, wo Sie gerade stehen, und lesen Sie von dort weiter.

Die sieben Phasen zum kommunalen Energieziel

Aus der Praxis: Kommunen, die diesen Weg gehen

  • (Phase 2/3)

    Lichtenfels – Ein Flächenpool in einem Wochenende

    Mehrere Windräder im Gegenlicht.
    © iStock/jotily

    Bürgermeister Henning Scheele stand vor einer typischen Herausforderung: viele private Eigentümerinnen und Eigentümer, unterschiedliche Interessen, keine gemeinsame Verhandlungsbasis. Seine Lösung: Ein Flächenpool der über 40 private Eigentümerinnen und Eigentümer, HessenForst und die Waldecksche Landesstiftung zusammenbringt – mit einem Poolvertrag, einer Duldungsvereinbarung und einem 75-Prozent-Stimmrecht-Quorum.

    Flächenpooling geht mit dem richtigen Rahmen und klaren Spielregeln schneller als gedacht. Der Bürgertarif als Anreiz für die Eigentümerinnen und Eigentümer war ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz.

    Vorreiterprojekte
  • (Phase 4/5)

    Marburg – Windstrom sichert Industriestandort

    Luftbild von Marburg mit Großanlage für oberflächennahe Geothermie.
    © adobestock/David Brown

    Die Stadtwerke Marburg – zu 100 % kommunal – planen sieben Windenergieanlagen auf den Lahnbergen. Das Besondere: Der Windstrom fließt über Direktleitungen direkt zu großen Abnehmern wie dem Pharmastandort. Günstige, planbare Energiekosten sichern die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe – und damit Arbeitsplätze in der Region. Gleichzeitig erzielen die Stadtwerke über die Direktbelieferung stabilere Erlöse als über die reine Netzeinspeisung.

    Günstige Energie für Betriebe ist heute ein echter Standortvorteil. Wer Direktleitungen von Anfang an mitplant, schafft ein Geschäftsmodell das für alle Seiten funktioniert.

    Vorreiterprojekte
  • (Phase 6/7)

    Breuna – Vom Windpark zur Vollversorgung

    Windräder, Strom-Überlandleitungsmasten und Solarkollektoren vor untergehender Sonne.
    © AdobeStock/lovelyday12

    Die Gemeinde Breuna im Landkreis Kassel zeigt, was möglich ist, wenn eine Kommune die Energiewende von Anfang an als Gesamtkonzept denkt. 11 genehmigte Windenergieanlagen, eine Agri-PV-Anlage, ein ortsteilübergreifendes Wärmenetz mit Großwärmepumpe und Direktleitung und eigene Gemeindewerke als Betreiberin. In Wettesingen, einem Ortsteil von Breuna, werden bereits über 225 Haushalte zu 100 % erneuerbar versorgt.

    Breuna hat nicht auf den perfekten Zeitpunkt gewartet, sondern frühzeitig eigene Strukturen aufgebaut. Die Gemeindewerke geben der Kommune die Kontrolle über Preise, Einnahmen und Konzept. Das ist der Unterschied zwischen Flächenverpächterin und Gestalterin.

    Vorreiterprojekte

Interkommunal noch stärker. Was eine einzelne Gemeinde mit 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern nicht stemmen kann, ist für fünf Gemeinden mit zusammen 12.000 machbar. Mehr Fläche, mehr Verhandlungsmacht, bessere Konditionen – und ein Partner der sich wirklich lohnt.

Charlotte von Waitz, deENet e.V.
„Energieprojekte sind Langstreckenlauf und Teamsport."