Wirtschaftlichkeit StromWoran sich entscheidet, ob sich Strom rechnet

Ein Stromprojekt lebt von drei Fragen: 

  1. Was zahlt die Förderung? 
  2. Was ändert sich rechtlich gerade? 
  3. Und was lässt sich jenseits der Einspeisung verdienen?

Die Antworten verschieben sich derzeit spürbar. Die Zuschlagswerte sinken, das EEG wird überarbeitet und genau deshalb gewinnt die lokale Vermarktung an Gewicht. Wer Strom direkt an eine Großwärmepumpe, einen Betrieb oder ein Gewerbegebiet liefert, erzielt stabilere Erlöse als über den Markt. Der Abnehmer vor Ort ist kein Nebenprodukt, sondern die Absicherung des Projekts.

Die drei Bausteine:

Förderung & Zuschlagswerte: Was die Ausschreibung heute hergibt und wo die Grenzen liegen.

EEG 2027, aktueller Stand: Was sich ändert und was das für laufende Planungen bedeutet.

Stromabnahme über PPA & Energy Sharing: Wie Erlöse jenseits der Einspeisung entstehen.

Alternativen zur Netzeinspeisung

  • Direktvermarktung: Strom wird über einen Direktvermarkter an der Börse verkauft. Marktprämie gleicht Differenz zum anzulegenden Wert aus. Mehrerlöse von 3–5 % gegenüber fester Vergütung möglich.
  • PPA (Power Purchase Agreement): Langfristiger Stromliefervertrag mit einem Großabnehmer. Planbare Erlöse über 10–20 Jahre, unabhängig vom EEGStromabnahme: PPA & Energy Sharing
  • Direktbelieferung über Direktleitung: Höchster Mehrwert — netzentgeltbefreit, günstiger Preis für lokalen Abnehmer, stabiler Erlös für Erzeuger. Stromnetze, Speicher & Direktleitung
  • Speichervermarktung: Erlöse aus Regelenergie und Arbitrage (günstig speichern, teuer einspeisen).

Die Hebel, durchgerechnet

Warum sich das Gesamtkonzept rechnet, lässt sich beziffern. Vier Hebel wirken auf verschiedene Kostenblöcke gleichzeitig — keiner allein trägt, erst der Verbund:

HebelMechanikGrößenordnung (Modellrechnung)
KapitalkostenKommunalkredit (~3–4 %) statt externer Eigenkapitalrendite (7–10 %); Wind und PV bestehen zu ~80–90 % aus KapitalkostenStrom rund 20–30 % günstiger — das WIBank-Nachrangkapital verstärkt den Effekt
Wärmepumpen-Hebel (COP)1 kWh lokaler Strom wird zu 3–4 kWh WärmeWärme-Energiekosten ~2 ct/kWh (lokaler Strom) statt ~8 (Netzstrom) oder ~10 (Gas, steigend)
Wärmepreis voll (LCOH)Der Netzinvest dominiert — wird aber von der billigen Energieseite getragen~11 ct/kWh, stabil. Mit Netzstrom statt lokalem Konzept ~16 — dann nicht tragbar; Gas ~11→15, steigend
Doppelnutzen DirektstromStrom an einen lokalen Betrieb statt in die EinspeisungBetrieb spart ~12 ct/kWh, das Projekt verdient ~7 ct/kWh mehr als über das EEG

Die zentrale Aussage

Trotz hoher Netzinvestition bleibt der Wärmepreis niedrig und auskömmlich — weil die Energieseite aus lokalem Strom fast nichts kostet und nicht mit dem CO₂-Preis steigt. Ohne dieses Konzept lässt sich die Wärmewende wirtschaftlich kaum darstellen. Der Netzinvest ist also kein Gegenargument, sondern tragbar gemacht durch die günstige Energie.

Interaktive Kalkulationshilfe

Diese Größenordnungen lassen sich in der begleitenden Kalkulationshilfe „Das Strom-Wärme-Gesamtkonzept" mit eigenen Annahmen durchrechnen — Stromgestehung (WACC), Wärmepreis inklusive Netzinvest und Speicher, Doppelnutzen und regionale Wertschöpfung. Es handelt sich um Modellrechnungen zur Veranschaulichung der Hebel, nicht um eine projektbezogene Wirtschaftlichkeitsberechnung.

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