Die zentralen Kapitalquellen zur Finanzierung von Stromprojekten

Ein Gesamtkonzept aus Windpark, Solarpark, Speicher, Direktleitung und Wärmenetz kostet schnell 80 bis 100 Mio. €. Den größten Teil leihen Banken und Förderbanken. Eigenkapital braucht es für etwa ein Fünftel. Wer dieses Eigenkapital stellt, bestimmt mit und verdient mit.

Die drei Unterseiten vertiefen Eigenkapital, Fremdkapital & Förderung und die Regeln des  kommunalen Haushalts.

Welche Kosten müssen gedeckt werden?

Die folgenden Werte sind Größenordnungen für ein Beispiel. Sie hängen stark von Standort, Anlagentyp und Zeitpunkt ab.

Baustein

Beispielgröße

Investition

Kennwert

Quelle

Windpark

4 Anlagen à 7 MW

rund 47 Mio. €

1.672 €/kW; Spanne 1.500–1.950 €/kW einschließlich Nebenkosten

Gutachten RBID (06/2026); Deutsche WindGuard, Kostensituation 2025

Freiflächen-Photovoltaik

10 MWp

rund 7 Mio. €

rund 680 €/kWp

LEA-Annahme; Beispiel Solarpark Schleswig-Süd: 3,3–3,8 Mio. € für 5,9 MWp mit Speicher

Batteriespeicher

10 MW / 20 MWh

rund 4,4 Mio. €

rund 220 €/kWh

LEA-Annahme; BNEF: 177 US-$/kWh schlüsselfertig in Europa (2025)

Direktleitung

2,5 km Mittelspannung

rund 1 Mio. €

300 €/m plus Übergabestation

LEA-Annahme

Wärmenetz

20 GWh/a, 1.000 Anschlüsse, 12 km Trasse

rund 31 Mio. € vor Förderung

Trasse 800–1.500 €/m, Übergabestation 5.000–10.000 €, Großwärmepumpe ab rund 900 €/kW

KWW-Technikkatalog Wärmeplanung (08/2026); LEA

Summe

rund 90 Mio. €

Kosten ohne Umsatzsteuer, Preisstand 2025/2026. Großwärmepumpen mit einfacher Wärmequelle kosten laut Technikkatalog 1.070 €/kW (1 MW) bis 890 €/kW (10 MW); Luft-Wärmepumpen und aufwendige Quellen deutlich mehr.

Die Komponenten der Finanzierung

G7 Finanzierung Bausteine

Wie ein Gesamtkonzept finanziert wird. Beispiel mit rund 90 Mio. € Investition, Anteile je Baustein, Modellannahmen

Jedes Projekt wird aus mehreren Schichten finanziert. Sie unterscheiden sich darin, wer zuerst bedient wird, wer das Risiko trägt und wer mitentscheidet.

Kapitalquelle

Anteil (typisch)

Kosten

Wer sie stellt

Mitsprache

Zuschüsse

bei Wärmenetzen bis 40 % der förderfähigen Kosten

keine

Bund (BEW), Land

keine, aber Förderauflagen

Vorrangiges Fremdkapital

60–80 %

Zins rund 3,7–5,5 % (Oktober 2026)

Banken, KfW, Kommunalkredit

keine, aber Kreditauflagen

Nachrangkapital

0–30 %

höherer Zins, rund 5–6 %

WIBank-EnergieFonds, Bürgerinnen und Bürger über Nachrangdarlehen

gering

Eigenkapital

20–30 %

erwartete Rendite 4–10 %

Kommune, Stadtwerk, Bürgerenergie, Projektierer, Investoren

volle Mitsprache über die Gesellschaftsanteile

In unserem Beispiel sind das rund 13 Mio. € Zuschuss für das Wärmenetz, 55 Mio. € Fremdkapital, 7 Mio. € Nachrangkapital und 16 Mio. € Eigenkapital. Für das Eigenkapital kommen in der Regel mehrere Geber zusammen.
→ Eigenkapital

Warum der Zins über den Preis entscheidet

Wind- und Solarparks und Wärmenetze kosten vor allem beim Bau. Über die Nutzungsdauer bestimmen deshalb Zins und Tilgung den größten Teil ihrer Kosten. Eine Investition von 1 Mio. € kostet über 30 Jahre bei 4 % Zins 57.800 € im Jahr, bei 6,5 % sind es 76.600 €. Im Beispiel-Wärmenetz macht dieser Unterschied 1,9 ct je Kilowattstunde Wärme aus.

Das Zinsniveau ist seit 2025 gestiegen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag am 5. Oktober 2026 bei 3,51 %, im September 2025 bei 2,78 % (Deutsche Bundesbank). Ein Kommunalkredit der KfW über 30 Jahre mit zehn Jahren Zinsbindung kostete am selben Tag 3,67 %. Wirtschaftlichkeitsrechnungen mit Zinsannahmen aus 2025 sollten aktualisiert werden.

Wann welches Kapital gebraucht wird

  1. Entwicklung (Flächensicherung, Planung, Genehmigung): Hier ist das Risiko am höchsten, weil ein Projekt scheitern kann. Dieses Kapital stellt in der Regel der Projektierer. Die Kommune trägt die Kosten ihrer Bauleitplanung und einer Machbarkeitsstudie für das Wärmenetz; die Studie fördert die BEW mit 50 %.
  2. Baureife und Bau: Jetzt fließen Fremdkapital und Eigenkapital. Örtliche Geldgeber steigen meist erst hier ein, weil das Genehmigungsrisiko dann vorbei ist.
  3. Betrieb: Die Erlöse bedienen Zins und Tilgung. Wind- und Solarparks gehen schneller in Betrieb als ein Wärmenetz fertig ist. Ihre Erträge können den weiteren Ausbau des Netzes mittragen, wenn die Kommune beteiligt ist.

Wer was finanzieren kann

Träger

Typischer Finanzierungsweg

Besonderheit

Kommune (Kernhaushalt, Eigenbetrieb)

Kommunalkredit, KfW-Investitionskredit Kommunen (208)

günstigste Konditionen; zählt zur Verschuldung und braucht die Genehmigung der Kommunalaufsicht; für wirtschaftliche Tätigkeit nach EU-Beihilferecht ist bei der KfW ein Betrauungsakt nötig

Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR)

eigene Kredite mit Gewährträgerhaftung der Kommune, KfW 148 und 270

eigene Kreditfähigkeit; Schulden erscheinen nicht im Kernhaushalt; ob Kredite der Genehmigung der Kommunalaufsicht bedürfen, ist nicht abschließend geklärt und vorab mit ihr abzustimmen

Stadtwerk, Regionalwerk (GmbH)

Projekt- und Unternehmensfinanzierung, KfW 148, 270, 548, WIBank-Nachrangkapital

braucht eine integrierte Planung über alle Sparten; Banken verlangen gesicherte Erlöse

Genossenschaft

Mitgliederkapital, Kredit einer Genossenschaftsbank, KfW 270

Bürgerbeteiligung liefert Eigenkapital

Gemeinsame Gesellschaft

kommunales und privates Eigenkapital plus Bankdarlehen

Kommune sichert Steuerung über eine Sperrminorität (über 25 %)

Die günstigste vertretbare Kapitalstruktur

  • So viel günstiges, vorrangiges Fremdkapital wie die Erlöse tragen – Kommunalkredit und Förderkredite, im Rahmen der Haushaltsgrenzen.

  • Geduldiges örtliches Eigen- und Nachrangkapital für Steuerung und Akzeptanz – Kommune, Stadtwerk, Bürgerenergie, WIBank-Nachrangkapital.

  • Externes Eigenkapital nur, soweit nötig – und die Steuerung dann über den Gesellschaftsvertrag sichern.

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